Die Langzeitstudie am Reiterhof

Diskussion - Teil 2

Die Angaben über die durchschnittliche Anzahl der Jahresbruten des Haussperlings variiert leicht. Während HEIJ (1985) von ein bis zwei Bruten in den Niederlanden spricht, kommen in Nordrhein-Westfalen nach PEITZMEIER (1969) oft 3 Bruten im Jahr vor. Laut BERGMANN & BERGMANN (in ARENDT & SCHWEIGER 1984) sollen sogar häufig drei und selten bis zu vier Bruten im Jahr erfolgen. Nach ELSNER (1996) hatte ein Viertel der brütenden Haussperlinge in zwei zoologischen Gärten des Ruhgebiets 3 Bruten im Jahr. Generell ist dies ein Hinweis auf gute Habitatbedingungen. In der untersuchten Kolonie hatten die Haussperlinge allerdings erst ab 2001 eine 3. Brut. Aufgrund dieser dritten Brutphase lag die Anzahl der erfolgreichen Bruten in den Jahren 2002 und 2003 höher als beispielsweise in 2000, obwohl die Anzahl der Brutpaare leicht gesunken war.

Im Gegensatz dazu war der Bruterfolg (mindestens ein flügger Jungvogel je Nest) der Jahre 2002 und 2003, mit 65 bzw. 63% am geringsten. Dies war bedingt durch den Einfluss Verminderten Nutzung von Teilbereichen des alten Koloniezentrums und der massiven Verlagerung des Kolonieteiles in den Pferdestall. Der über die Jahre insgesamt festgestellte Bruterfolg von 60 bis 90% deckt sich allerdings mit dem von BALÁT (1974) ermittelten Ergebnis von 79% für einen Tierzucht-Großbetrieb in Mittelmähren.

Die bereits erwähnte hohe Synchronisation der Tiere ist grundsätzlich ein typisches Verhaltensmerkmal der Haussperlinge, gerade im Zusammenhang mit einer entsprechend hohen Anzahl vorhandener Bruten. Dies konnte nochmals insbesondere bei der Verlagerung eines Großteils der Nester in den großen Pferdestall bestätigt werden. Die hier brütenden Tiere gingen dem Brutgeschäft wieder sehr zeitgleich nach.

Die Dauer der Nestlingszeit variiert bei Haussperlingen extrem. Nach HUDDE (1997) beträgt sie zwischen 11 – 23 Tagen, während BEZZEL (1993) 12 – 18 Tage angibt. Die in der untersuchten Haussperlingspopulation ermittelten Daten von 14 bis 23 Tagen decken sich mit den Literaturangaben. Die dabei festgestellte durchschnittliche Dauer von 17 – 19 entspricht den Angaben von HUDDE (1997) von 17 Tagen für ungestörte Bruten. Die Analyse ergab zudem einen Hinweis darauf, dass die Nestlingszeiten bei den späteren Bruten verkürzt sind, was aufgrund eines erhöhten Schlupfgewichts, eines veränderten Nahrungsangebots bzw. einer veränderten Fütterungsweise, sowie anderer Temperaturverhältnisse erklärt werden kann.

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